Einsame Schaukel im Meer

Auszeit für die Reise ins Ich

Zeichen. Sie sind da. Immer und immer rechtzeitig. Mal stark und deutlich, mal nur schwer zu erkennen. An den Zeichen liegt es nicht. Ob die Botschaften ihre Empfänger erreichen, gleicht hingegen eher einem Glücksspiel. Und dann ist »erreichen« auch noch vielschichtig. Sehen heißt nicht wahrnehmen; wahrnehmen nicht erkennen; erkennen nicht verstehen; verstehen nicht akzeptieren; akzeptieren nicht folgen.

Der Mensch ist großartig im Ausblenden und Ignorieren – und im hinterher Jammern. Man braucht sich nur anzuschauen, wie wir mit unserer Existenzgrundlage, unserem Planeten, umgehen. Hier zeigt sich eine weitere Königsdisziplin: Ausreden. Der letzte Mensch wird im Selbstmitleid zerfließen und für alles eine passende Ausrede haben. Erschreckende Vorstellung!

Schon Früh begann ich zu Suchen. Ich spürte, dass der Weg nicht meiner war. Doch trotz offener Augen sah ich nichts. Vielleicht sah ich was, erkannte es aber nicht, oder erkannte es sogar, konnte es aber nicht verstehen, oder verstehen, aber nicht umsetzen. Alles, was ich Wahr nahm, erreichte mich nicht.

Bis im Juli 2014 meine Suche abrupt und schmerzhaft gestoppt wurde. Die großen Buchstaben konnte ich dann erst mit etwas Abstand zu etwas Sinnvollem zusammensetzen: Letzte Ausfahrt!

Knapp zwei Jahre bin ich auf der neuen Straße unterwegs. Nein, das ist nicht richtig. Erstens schlage ich mich noch durchs Untergestrüpp, kann sie aber schon sehen. Und Zweitens ist sie nicht Neu. Ganz im Gegenteil. Es ist mein ursprünglicher Weg. Der Weg, von dem ich gedrängt wurde. Den ich verlassen musste, weil mir zu dem Zeitpunkt die Mittel fehlten, um mich darauf zu halten. Ähnlich, wie es aus Western-Filmen bekannt ist: Die Hände gefesselt, hängt das andere Ende vom Seil an einem Pferde-Sattel und zieht einen gnadenlos hinterher.

In den letzten zwei Jahren schlug mir immer wieder dorniges Gestrüpp schmerzhaft ins Gesicht. Meine Überzeugung, dass alles einen Sinn hat, nutzte der Zweifel ständig gegen mich aus. Immer wieder brach irgendetwas aus; immer wieder wurden Teile in mir vom verlassenen Weg magnetisch angezogen. Diese Momente sind mühsam und anstrengend. Obwohl ich die Zeichen jetzt besser erkenne, fehlt es mir noch an Übung und die noch zu geringe Distanz macht es nicht Leichter.

In Jedem von uns steckt ja das Puzzle unseres Leben. Ob wir die Teile zu einem Ganzen zusammensetzen, liegt an uns Selbst. Dafür sind die Zeichen da. Sie sind die Hinweise, dass etwas nicht passt. Aber ausblenden und ignorieren… – naja.

Gestern war ich dann wohl endlich bereit, Zeichen zu verstehen, die ich zwar schon länger sehen, aber nicht begreifen konnte. Wie ein Puzzle-Teil, dessen Form und Farben man erst jetzt erkennt. Nein, damit ist es noch nicht an seinem Platz, aber die Voraussetzungen gegeben, diesen zu finden.

Ich will und werde keine Zeit und Energie auf die Frage verschwenden, ob man je sein Puzzle komplettieren kann. Buddhistische Mönche würde diese wohl mit Nein beantworten. Mir genügt meine »innere Stimme«, die ich zwar schon immer gehört habe, aber deren Sprache ich erst in den letzten zwei Jahren gelernt habe, zu verstehen. Demnach habe ich einen Großteil zusammen, aber ich weiß um die leeren Stellen und erkenne meine Schutzlosigkeit an diesen Punkten. Weil die Angriffe von Außen kommen, ist die klügste Lösung, mich so Unsichtbar wie möglich zu machen. Habe ich den Fokus schon sehr auf mich gerichtet, dringen an den ungeschützten Stellen immer wieder giftige Tentakeln ein. Manches mal zündeln diese ein Feuer, welches die Stabilität des restlichen Gebildes gefährlich ins Wanken bringt.

Es ist nicht meine Absicht, gegen den Strom zu handeln. Aber wenn ich mich mit dem Fluss bewege, möchte ich wenigstens im eigenen Boot sitzen und das Steuer selbst in der Hand haben.

Gestern begriff ich nun den Zusammenhang hinter dem Umweg. Das macht es zwar nicht leichter, bestimmte Aspekte zu akzeptieren, aber die Aussicht, Einfallstore zu schließen, erleichtert dann doch. Des weiteren erkannte ich, dass der größte Übeltäter lediglich der »falsche« Gebrauch eines sehr mächtigen Werkzeugs ist. Um den neuen Umgang zu verinnerlichen, ist allerdings mehr Ruhe notwendig. Daher werde ich die Lautstärke der Außenwelt möglichst auf Null reduzieren.

News, RSS-Feeds und Twitter bleiben auf unbestimmte Zeit ausgeschaltet. Meine zwei anderen Blogs sind eh Offline und hier wird es erst mal keine Inhalte geben, die sich mit aktuellen Themen beschäftigen. Davon profitieren wird der Rest: Rezensionen, Kurzgeschichten und der »Offene Roman« hoffentlich auch. Etwas ruhiger wird es aber sicher werden.

Nein, die Grundproblematik dahinter ist nicht das Ablenken, oder Prokrastinieren, sondern die Folgen des unsachgemäßen Einsatzes vorhandener Ressourcen. Um die investierte Energie bei Twitter ist es zwar Schade, weil ich dort bereits viele interessante Menschen kennenlernen durfte. Aber ich reiße das Haus ja nicht ab, sondern renoviere es. Ob es dann weiterhin gefällt, wird sich zeigen.

Nun reicht es auch mit dem persönlichen Einblick. Inzwischen warten reichlich Geschichten darauf, dass ich sie endlich erzähle 🙂

Bis Bald und bleibt mir gewogen
Euer Ole

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Artikelbild: (Kein Titel ersichtlich) © bei Azrul Aziz auf unsplash.com / Lizenz: CC0 / Bearbeitet: Abmessungen proportional verkleinert

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