Justitia

Blog gegen Abmahnungen schützen

Die Thematik ist inzwischen aus der wahrnehmbaren Berichterstattung verschwunden, und damit aus den Köpfen möglicher Opfer. Zu dem verbinden es die Meisten mit illegalen Musik-Downloads oder, höchstens, mit einem fehlerhaften Impressum. Vielleicht erinnern sich Einige, dass da auch mal was mit Bildern war.

Es ist aber nach wie vor ein lukratives Geschäft und da Geld bekanntlich nicht stinkt, lassen sich immer wieder Anwälte finden, die sich nicht zu Schade sind, Existenzen zu vernichten.

Wer ein Blog betreibt, ist auch heutzutage gefährdet, abgemahnt zu werden. Das hängt mit dem leicht zu verdienenden Geld und der Unkenntnis der Nutzer zusammen. Es lohnt sich eben, nach Fehlern zu suchen; in den Gesetzen oder bei den Bloggern.

Weil die drei Angriffsziele eher versteckt sind, besteht eine recht große Gefahr von einer Abmahnung betroffen zu sein. Alle drei werde ich im Folgenden näher erläutern.

Cookie Hinweis

Muss ich, oder muss ich nicht? In der Tat liegt hier eine enorme Unsicherheit vor. Brauche ich mit meinem privaten Blog diesen Hinweis; werden überhaupt Cookies gesetzt? Brauchen ist hier erst mal nicht die Frage. Weiß man als Blogger nicht, ob von seiner Webseite aus beim Besucher Cookies hinterlassen werden, ist das hingegen kritisch. Auch ohne Technik-Freak zu sein, sollte man wenigstens in der Lage sein in der Cookie-Verwaltung des verwendeten Browsers nachzusehen, ob sich dort ein Cookie vom eigenen Blog befindet.

Dies betrifft diejenigen, die ihr Blog selber hosten, z.B. bei Strato, 1&1 oder 1blu. Hier dürfte aber entsprechend technischen Wissen vorhanden sein.

Wer unter das Dach eines der großen Blog-Anbieter geschlüpft ist (z.B. blogger.com, blogspot.com, wordpress.com), dem werden derart zentrale Entscheidungen abgenommen und braucht sich auch nicht um die technische Umsetzung kümmern.

Doch der Teufel steckt im Detail, weswegen jetzt Alle genau lesen sollten.

Zumeist erscheint der Cookie-Hinweis am oberen oder unteren Rand beim ersten Aufruf der Webseite. Schaut einmal genau hin, was von diesem überdeckt wird? Werden z.B. Menü-Punkte überlagert? Werden die erst dann wieder zugänglich, wenn der Cookie-Hinweis weggeklickt, also bestätigt, worden ist?

Gehört die »Impressum«-Seite zu den betroffenen? Dann könnte euch eine Abmahnung blühen, werdet ihr entdeckt. Warum? Der BGH hat geurteilt, dass das Impressum leicht und direkt zugänglich sein muss. Ist vorher erst eine Aktion erforderlich, entspricht das nicht den Vorgaben.

Wird der Cookie-Hinweis am oberen Rand eingeblendet und man kann durch scrollen in den Fuß-Bereich einen Link zum Impressum erreichen, ist das erlaubt.

Allerdings schnappt hier möglicherweise die nächste Falle zu. Verschwindet beim Scrollen der Cookie-Hinweis, weil es so konfiguriert ist, dass Scrollen als Zustimmung gewertet wird, spitzen die Anwälte ihre Stifte. Warum? Zur Kenntnisnahme des Cookie-Hinweis’ ist eine aktive Handlung, wie der Klick mit der Maus, erforderlich. Einfach nur scrollen genügt nicht der Anforderung.

Also sorgt für den ungehinderten Zugang zum Impressum und für den Klick als Bestätigung.

Anmerkung: Seid ihr bei einem Blog-Anbieter und habt keinen Einfluss auf die Platzierung des Hinweises, sollte aber immer die Möglichkeit bestehen, im Fuß-Bereich einen zusätzlichen Link zum Impressum anzubringen.

Artikel Bilder

Das Thema ist ausreichend durchgekaut? Sicher? Dann könnte das gleich eine kalte Dusche werden. Es geht nämlich nicht um die Bilder selbst.

Die Problematik mit den Urheberrechten dürfte in der Tat weitestgehend bekannt sein. Deswegen hat sich jeder Blogger seine Quellen für kostenlose und frei verwendbare Bilder erschlossen. Richtig? Trotzdem könnten euch die vermeintlich kostenlosen Bilder teuer zu stehen kommen. Warum?

Wenngleich das Bild kostenfrei sein mag, ist dessen Veröffentlichung mit einer Lizenz verknüpft. Am verbreitetsten sind die Creative Commons Lizenzen (CC) mit ihren unterschiedlichen Varianten. Manche versuchen nur »Public Domain«-Bilder (PD) zu verwenden, die vermeintlich ohne Einschränkungen und Hinweise genutzt werden dürfen. Da könntet ihr euch die Nase stoßen.

»Public Domain«, bei uns mit »gemeinfrei« gleichbedeutend, entstammt dem amerikanischen Rechtssystem und ist in seiner Umsetzung auch nur dort anwendbar. Der Totalverzicht auf das Urheberrecht, was PD bedeutet, ist bei uns nicht möglich! In Deutschland werden Werke erst Jahrzehnte nach dem Tod des Urhebers gemeinfrei. Wer also PD-Bilder einbindet, sollte beherzigen, was für CC-Bilder gilt.

Die Abmahngefahr verbirgt sich in der korrekten Benennung UND Verlinkung. Ich will das anhand von Beispielen verdeutlichen.

Artikelbild: Max Mustermann

oder

Artikelbild: flickr.com

Beides reicht und geht gar nicht. Brauchen wir auch nicht diskutieren, ob das irgendwelche Portale oder Zeitungen so machen.

Artikelbild: © bei Max Mustermann auf flickr.com

Besser, aber die Abmahnung ist sicher.

Artikelbild: © bei Max Mustermann auf flickr.com / Lizenz: CC BY-SA 2.0

Wir kommen der Sache näher. Was fehlt ist der Name/Titel des Bildes, sofern einer existiert. Vollständig würde die Angabe dann in etwa so aussehen:

Artikelbild: Fernseher © bei Max Mustermann auf flickr.com / Lizenz: CC BY-SA 2.0

Im Hintergrund kommt es jetzt noch auf die korrekte Verlinkung an. Weil es schwer darstellbar ist, drösel ich das mal im Einzelnen auf:

Der Name des Urhebers sollte auf dessen Profil bei der zugehörigen Plattform zeigen. Um beim im Beispiel genannten flickr zu bleiben, würde er zum heutigen Zeitpunkt (kann zukünftig vom Anbieter geändert sein) so lauten:

https://www.flickr.com/photos/maxmustermann/

Den direkten Link zum Bild kann man mit dem Namen des Bildes verknüpfen. Existiert dieser nicht, böte sich der Name der Plattform an. In diesem Fall so:

https://www.flickr.com/photos/maxmustermann/1234567890/

Und ja, auch die Lizenz muss korrekt verlinkt sein. Beim genannten flickr befindet sich der zugehörige Link immer beim Bild, man braucht diesen daher lediglich kopieren. Beispielhaft sieht er so aus:

https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

All die Arbeit für ein kostenloses Bild? Ja, eben darum! Verzichtet ein Urheber schon auf eine verdiente Entlohnung, gebührt ihm zumindest Respekt und Anerkennung für seine Arbeit durch eine vollständige Nennung.

YouTube Videos

Hier kann man etwas Falsch machen, wofür man abgemahnt wird? Leider, und weil das kaum einer weiß, ist die Gefahr extrem groß. Unbedarft einfach einen YouTube-Link in den Artikel einfügen solltet ihr euch abgewöhnen. Warum?

Ich werde mal von Vorne mit den gebräuchlichsten Methoden anfangen.

Über die »Teilen«-Funktion wird ein direkter Link zum betreffenden Video erzeugt. Der ungefähr so aussieht:

https://youtu.be/QNYojKxww5U

Finger weg! Mit diesem Aufruf ist euch eine Abmahnung sicher.

Gnädigerweise erlaubt ist die Einbindung mittels <iframe> und sieht ungefähr wie dieses Beispiel aus:

<iframe><src="https://www.youtube.com/embed/QNYojKxww5U?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe>

Genau, wie ihr habe ich das bisher auch so gehandhabt. Bedauerlicherweise steckt der Teufel wieder im Detail.

Verantwortlich dafür sind facebook und Co. Wie das? Deren »Teilen«-Buttons sind nicht Datenschutzkonform, weil schon beim Aufruf der Webseite Daten an diese Dienste geschickt werden und der Nutzer nicht verhindern kann, von diesen erfasst zu werden. Aber diese Diskussion setze ich als bekannt voraus. Und wer deren Knöpfe immer noch direkt einbindet, hat sich eine Abmahnung redlich verdient.

Aber eben diese Datenübermittlung geschieht auch bei den YouTube-Videos. Etwas versteckt und daher wohl Vielen unbekannt, stellt YouTube eine zweite Variante der Videos bereit. Ob man sich damit gänzlich im rechtssicheren Bereich bewegt, ist leider noch nicht geklärt. Es bedeutet aber mehr Sicherheit, als die sonst genutzten Variationen.

So gelangt ihr an die andere Version:

Den Bereich unter dem Video kennt man.

YouTube_Cookie-frei_01

Der Klick auf Teilen liefert ein ebenfalls bekanntes Bild.

YouTube_Cookie-frei_02

Erst ein weiterer Klick auf Einbetten schmeißt die bisher als unverfänglich betrachtete <iframe> Einbettung aus.

YouTube_Cookie-frei_03

Hier läuft man jetzt Gefahr, das Entscheidende zu übersehen. Denn ich behaupte mal ganz Frech, bei den meisten Monitorauflösungen befindet sich das Wichtige im nicht sichtbaren Bereich. Und warum sollte man an dieser Stelle auch scrollen, wird einem doch der passende Code blau hinterlegt präsentiert und man braucht nur noch STRG+C fürs Kopieren drücken? Zu Kurz gedacht. Bewegt man jetzt das Bild nach unten, offenbaren sich erst die relevanten Einstellungen.

YouTube_Cookie-frei_04

Die Option, die dir etwas mehr Sicherheit vor einer Abmahnung verschafft, nennt sich »Erweiterten Datenschutzmodus aktivieren« und ist im Ursprung nicht aktiv. Bist du bei der ersten Aktivierung bei YouTube angemeldet, merkt es sich die Einstellung. Es kann dann zwar nicht Schaden nachzugucken, aber es lässt sich auch am veränderten Link erkennen.

YouTube_Cookie-frei_05

 

YouTube_Cookie-frei_06

…und sieht im Ganzen dann so aus:

<iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/QNYojKxww5U?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe>

Die Ergänzung um »-nocookie« macht jetzt keinen weltbewegenden Eindruck, bewirkt im Hintergrund aber einiges.

Um ein wenig Technisches komme ich jetzt nicht herum. Der bekannte Aufruf ohne »nocookie« setzt nicht einfach nur ein Cookie, sondern es wird eine Verbindung zu Googles Werbeplattform Doubleclick hergestellt. Als reiche das noch nicht, wird sogar eine Javascript-Datei nachgeladen. Dafür braucht das Video selber nicht angeklickt oder abgespielt zu werden. Hammer oder?

In der »nocookie«-Variante verspricht YouTube selber Folgendes:

YouTube_Cookie-frei_07

Allerdings hat das c’t Magazin herausgefunden, dass nach wie vor eine Verbindung zu Doubleclick aufgebaut wird. Es wird aber keine Datei mehr übertragen und Daten scheinen auch nicht zu fließen. Erst beim Start des Videos beginnt im Hintergrund der Datenaustausch.

Dieses Verhalten bringt uns Blogger in eine schwer zu händelnde und abzuschätzende Situation. Das Telemediengesetz (TMG) verlangt, dass Besucher über die Datenerfassung umfänglich aufgeklärt werden.

Wer die normale Videofassung wählt, sollte seine Datenschutzhinweise dringend überarbeiten. Aber auch die »nocookie«-Variante erfordert entsprechende Nachbesserungen.

Eine 2-Klick-Lösung, wie für die Social-Media-Buttons, könnte zusätzliche Rechtssicherheit bringen, existiert bisher aber nicht. Man könnte sich selber eine basteln, indem man ein Vorschaubild über das Video legt und mit einem Hinweistext auf die Datenübermittlung beim Start des Videos seine Besucher warnt. Um die Ergänzung der eigenen Datenschutzinformationen kommt man damit aber auch nicht.

Hier herrscht Unklarheit. Aber gerade damit fühlen sich die Abmahner Pudelwohl. Ich würde wetten, dass wir diesbezüglich schon bald mehr hören werden. Ob man als Betroffener den Schwarzen Peter an YouTube bzw. Google weiterreichen kann, werden erst konkrete Fälle zeigen.

Fazit

Soweit, so ungut. Die Abmahngefahr dringt von der Oberfläche in tiefere Regionen vor. Stolperfallen sind nicht mehr offensichtlich und verstecken sich an Orten, denen man bisher keine Beachtung geschenkt hat. Nur ignorieren darf man sie auf keinen Fall, denn die Gegenseite wird gerade das nicht tun. Wer sich zurück lehnt und Däumchen dreht, weil er glaubt alles getan zu haben, könnte hart auf dem Boden der Realität aufschlagen, flattert eine gesalzene Abmahnung vor seine Füße.

Die Ursachen liegen nicht zwingend in dem nicht mehr so jungen Internet, wohl aber in den den Anforderungen immer noch nicht gerecht werdenden Gesetzen. Die Politik schafft es nicht vorausschauend zu agieren, sondern reagiert stets erst im Nachgang, wenn sich andere längst ihre blutige Nase abgeholt haben. Wer sich also auf den Rechtsstaat verlässt, könnte sich unverhofft und alleingelassen im Regen wiederfinden.

Ich weiß, Jeder möchte doch nur in Ruhe sein Blog mit Leben füllen und sich nicht mit diesem dusseligem Hick-Hack auseinandersetzen. Wohl wahr, aber »Vernunft« gehört nicht zum Vokabular der Blutsauger. Es kann daher nur eine Empfehlung geben: Informieren! Nehmt es nicht auf die leichte Schulter. Investiert lieber etwas zusätzliche Arbeit und versucht so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. In diesem Sinne und unter allen Aspekten wünsche ich viel Erfolg.

Rechtlicher Hinweis:
Ich gebe hier zusammengetragene Informationen wieder, die mich selber betreffen. Sie stellen keine Rechtsgrundlage dar, noch ersetzen sie eine fundierte Rechtsberatung. Trotz aller Sorgfalt kann ich keine Gewährleistung für getätigte Aussagen und Darstellungen übernehmen.

Quellen und weiterführende Informationen:
Das shopbetreiber-blog schreibt über »Abmahngefahr durch Cookie-Banner«
iRIGHTS.info berichtet über vermehrte Abmahnungen bei Creative Commons Fotos
Wikimedia beschreibt die 5 häufigsten Fehler bei der Nutzung von CC-Fotos
Bei den Rechtsanwälten von just law wird Public Domain erklärt
Über die YouTube Hintergründe schrieb das c’t Magazin in Heft 1/16 auf S. 136. Großzügigerweise stellt die Redaktion den Artikel im Internet frei zur Verfügung.

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Artikelbild: Justice © bei Charles D P Miller / flickr.com / Lizenz: CC BY 2.0

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