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Charlie Huston – Der Prügelknabe

Vor lauter Enthusiasmus weiß ich gar nicht, wo ich Anfangen soll. Vielleicht mit der einzigen Schwierigkeit, die ich am Anfang des Buches hatte. Die Dialoge sind nicht, wie wir es gewohnt sind, mit Tüttelchen „…“ fortlaufend in die Handlung eingebunden, sondern abgesetzt und mit einfachem Bindestrich untereinander weg geschrieben. Das sieht dann so aus:

Hier steht nun irgendein spannender Handlungsablauf. In deren Folge sich zwei der Akteure unterhalten.

– Hier redet nun der Erste
– Nun antwortet der Zweite
– Worauf nun wieder der Erste an der Reihe ist
usw.

Dann geht es in der Handlung weiter.

Auf den ersten Seiten kam ich deshalb immer wieder ins Stocken und las die betreffenden Stellen mehrmals, um zu begreifen, wer denn nun was sagt.

Nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, wurde ich mit einer Story belohnt, die es wahrlich in sich hat. Charlie Huston entfacht ein pures Tempo Gewitter, ohne dabei in irgendeiner Form Oberflächlich oder fahrig zu werden. Der Stil ist wirklich abgefahren. Was viele Rezensenten an anderen Orten schreiben, man habe unweigerlich einen Quentin Tarantino Film im Kopf, trifft den Nagel auf den Kopf. Die Beschreibungsweise von Huston ist wahrlich nicht zimperlich. Brutale Stellen werden gnadenlos beschrieben und genauso empfunden, weil man förmlich in die Geschichte gesogen wird. Nicht umsonst heißt das Buch „Der Prügelknabe„. Da aber alles irgendwie lakonisch, ironisch, ja überdreht ist, passt alles vortrefflich zusammen.

In meinem gesamten Leser-Leben ist mir kein vergleichbares Buch unter die Augen gekommen. Es ist Temporeich, faszinierend, witzig, hart, obszön, einfach unglaublich! Nichts für schwache Nerven oder sensible Gemüter; alle anderen sollten es unbedingt Lesen – auch Heute noch.

»Hustons Dialoge sind atemberaubend und seine Charaktere unvergesslich. Dem kann sich keiner entziehen.« The New York Times Book Review

Schon bei der Veröffentlichung in Deutschland hieß es, das Buch sei bereits nach Hollywood verkauft. Allerdings wüßte ich bis Heute keinen Film, der darauf basieren würde. Falls jemand besser informiert ist, darf darauf gerne in den Kommentaren hingewiesen werden.

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Achtung! Der Prügelknabe Hank Thompson erlebt noch zwei Fortsetzungen, über die ich ein paar Worte verlieren möchte.

In Band 2 wird er nun offiziell zum „Der Gejagte„, obwohl er schon im ersten Band nur auf der Flucht ist. Wer Band 1 gelesen hat, knüpft natürlich Erwartungen an den weiteren Verlauf. Diese werden leider nicht erfüllt. Das Tempo wirkt künstlich und verkrampft, Szenarien konstruiert; wie eine Lunte, die nicht zünden will. Die Dynamik fühlt sich zäh und aufgesetzt an.

Ich habe mich bis zum Ende ziemlich gequält und war natürlich enttäuscht. Mit Band 1 wurde die Latte schon zu Hoch gelegt und scheinbar sämtliches Pulver verschossen. In diesem Triathlon bedeutet das, nach der ersten Disziplin, dem Schwimmen, war die Luft raus; die Fahrradstrecke überstand er aus dem letzten Loch pfeifend.

Warum der Protagonist in Band 3 „Ein gefährlicher Mann“ wird, kann ich nicht beantworten. Um beim Triathlon zu bleiben; nach wenigen Kilometern war Schluss. Soweit ich mich erinnere, war Hank in Mexiko gelandet und dann tauchte die russische Mafia auf… und alles wird furchtbar Wirr und sowas von an den Haaren herbei gezogen. Ich glaube, bis nahe an Seite 100 habe ich mich gekämpft, dann aufgegeben. Aber bis dahin musste ich schon zwei mal Anlauf nehmen. Stark gestartet und dann stark nach gelassen.

Band 1: Kaufempfehlung!
Band 2: Eher nicht
Band 3: Auf keinen Fall!

Titel: Der Prügelknabe
Autor: Charlie Huston
Seiten: 368
Verlag: Heyne
Veröffentlicht: 02.06.2004
ISBN: 978-3453877795

Wertung: 8 von 9
Wertung 8 von 9

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Artikelbild: Buch-Cover © bei HEYNE<

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