Broken Angel

Entsteht aus Schmerz tatsächlich Großes?

Gerade aus der Ecke der oftmals als sensible Persönlichkeiten charakterisierten Künstler wird immer wieder berichtet, dieses oder jenes Werk sei in einer Phase großen Schmerzes entstanden. Betroffen seien demnach alle Gattungen, Musiker, Künstler und Schriftsteller. Ebenso gemein sei allen seelische Qualen als Ursache.

Warum melde ich mich nach fünf Wochen Reha mit so einem Thema zurück? Sollte ich nicht entspannt sein und voller positiver Energien stecken? Wie so häufig, hat die Praxis von der Theorie nichts gehört und geht ihren eigenen Weg.

Vor und während der Reha hielt ich es für eine gute Idee, mir eine innerliche Distanz zu wahren. Zwar hatte ich mir vorgenommen, mich nicht auszugrenzen und offener auf Andere zu zu gehen, doch mit nach Hause wollte ich nichts nehmen. Bis zur Abreise schien der Plan aufzugehen – und dann saß ich auf dem Bahnsteig, als sich Etwas in den unendlichen Tiefen des Seins auf den Weg machte, sich Gehör zu verschaffen.

Je weiter mich die Bahn hinfort trug, desto mehr nahm mich dieses dumpfe Gefühl in Beschlag. Kurz vor meinem Ziel Bahnhof war mir nur noch zum Heulen zumute. Das Schlimme daran war, ich wusste nicht warum. Erst zu Hause dämmerte mir langsam, was der Grund sein könnte und das quälende Gefühl seelische Schmerzen waren.

Wie konnte das bloß passieren? Warum funktionierte mein ach so toller Plan nicht?

Natürlich habe ich in den fünf Wochen eine Reihe toller und lieber Menschen kennengelernt. Mein konsequent durchgezogenes Vorhaben entpuppte sich nun als fataler Irrtum. Ich interessiere mich für sie, sie sind mir wichtig geworden. Klar kenne ich das Gerede und habe es am eigenen Leib erfahren, dass man sich ja unter besonderen Umständen kennengelernt hat und im Alltag dann im Sande verläuft. Doch in welchen Stein ist das gemeißelt?!

Vor Allem bei einer Person wusste ich schon vor der Abreise, dass ich sie vermissen werde und hatte es ihr auch gesagt. Dass es nur ein Bruchteil der Wahrheit ist, konnte ich nicht ahnen. Dafür wurde es mir in der Zeit danach umso deutlicher eingehämmert. Erklären kann ich es bis jetzt nicht, warum auch, es ist einfach so. Basta!

Schon als die Schmerzen wuchsen, kreisten die Gedanken um die Frage dieses Artikels. Konnte oder sollte ich mich in dieser Phase an meinen Erstling machen, obwohl mir ständig feuchte Augen drohten? Ich habe keine Ahnung, ob der Schmerz zu Klein oder zu Groß oder nicht »Richtig« war, es klappte auf jeden Fall nicht. Meine Gedanken haderten mit dem blödsinnigen Plan und den Folgen.

Das ich jetzt, am Sonntag Abend, diesen Artikel schreiben kann, liegt daran, dass ich meine Dummheit fast ausbügeln konnte. Ein Teil der Last hat sich aufgelöst, nachdem ich den einzig bestehenden Pfad gefunden hatte und dieser sich als Goldrichtig erwies. Einige Kontakte sind hergestellt und die Schwermut lockert ihre Umklammerung meines Herzens.

Aus meinem Schmerz entstand nun kein »großes« Werk, allerdings anderes »Großartiges«, was mindestens genauso wichtig ist. Und wer kann jetzt schon sagen, ob es nicht genau dieses Erlebnis gebraucht hat, um meinen Bestseller zu erschaffen?!

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Artikelbild: Staglieno 1 © bei Jeff kerwin / Lizenz: CC BY 2.0 / Bearbeitet: Bild wurde von mir beschnitten

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