Der unfertige Roman

Schreiben – Lesen – Reflektieren

Bild: Von mir fotografiert; © liegt bei den jeweiligen Rechteinhabern

Text veröffentlicht: 06.07.2016

Verlag: PIPER
Seiten: 528
Preis: 9,99 EUR
ISBN: 978-3-492-30769-7

Wertung: 8 von 9

Verweise:
PIPER
Autor Webseite (engl.)

Leitwort: Thriller

Fredrik T. Olsson – Der Code

Atem beraubend! So ein Debüt wünsche ich mir auch. Klasse!
Von Beginn an Tempo und Spannung. Das Buch für andere Dinge aus der Hand legen, fällt schwer. Und ja, Fredrik T. Olsson hält beides bis zum Schluss durch, auch wenn sich bei mir zum Ende der Pulsschlag beruhigte.

Es ist ein dystopischer Thriller. Die grundlegende Plot-Idee ist nicht neu und in der Geschichte des Buchs sicher schon millionenfach verwendet worden, aber das trifft eigentlich auf alle Bücher zu. Das Drumherum macht den Unterschied.

Mir hat das Setting sehr zugesagt. Personen, Orte, Handlungsstränge, Zeitfolge, Geschehnisse und Thematik sind leicht zu erfassen und zu folgen. Die Erzähl-Perspektive ist auktorial, was mir ebenfalls gefällt, und ich mir ehrlicherweise auch keine andere vorstellen könnte. Ein handelnder Antagonist fehlt, weil Der Code der Gegenspieler ist und ich habe ihn nicht vermisst. Tatsächlich ist mir das erst jetzt aufgefallen, wo ich darüber schreibe.

Die Charaktere sind nicht sonderlich tiefgründig und erleben auch keine Entwicklung. Der Protagonist hat zwar eine traurige Vergangenheit und wird von Zweifel geplagt, es reichte aber alles nicht, um mich mit einer Person verbunden zu fühlen. Trotzdem war ich gefesselt.

Ungefähr zur Hälfte des Buchs wird deutlich, worum es geht. Damit ist keineswegs die Luft raus. Allerdings stellte sich eine gewisse Erwartungshaltung ein, ob der Autor auf eine durchaus reale Problematik Bezug nimmt. In der Tat macht er das, aber Kommentarlos. Die mögliche Kritik überlässt Olsson den Lesern. Somit bleibt er seiner Linie treu, einfach eine spannende Geschichte erzählen zu wollen.

Sehr erfreulich ist, dass ich über keine Logik-Brüche gestolpert bin. Natürlich gibt es dramatische Szenen mit der Rettung in letzter Sekunde, aber sie werden immer logisch aufgelöst. Was auf den Stil von Fredrik T. Olsson hinweist.

Ständig lässt er den geplagten Leser hängen. Gnadenlos scheucht er seine Leserschaft von Absatz zu Absatz. Klar, Cliffhanger sind ein bewährtes Mittel, um Spannung zu erzeugen; aber wie immer, führt erst die richtige Dosierung zum gewünschten Ergebnis. Die Rechnung geht hier voll auf. Diesbezüglich habe ich zumindest eine Vermutung, wie der Nachfolger Das Netz ablaufen wird.

Sollte ich erwähnen, dass sich Warner Bros. die Filmrechte gesichert hat? George Clooney als William Sandberg? Oh ja, das würde passen.

Eine Randbemerkung, die mir bereits nach wenigen gelesenen Seiten unter den Fingern brannte, möchte ich noch los werden. Viele Bücher habe ich in letzter Zeit gelesen. Auf Deutsch, weil ich das nun mal am Besten verstehe. Der Code wurde zwar übersetzt, ich will aber nicht darüber diskutieren, wir groß dieser Anteil ist. Mich hat fasziniert, wie anders es trotz derselben Sprache ist. Obwohl auf denselben Wortschatz zugegriffen wird, unterscheiden sich die Bücher so stark. Ich hing ja bereits am Haken, wo noch nicht wirklich bewegendes passiert war. Rein über den Einsatz der Sprache zog mich das Buch in den Bann. Mir ist es unmöglich, den Anteil der Übersetzer abzuschätzen, aber dieses Buch macht deutlich, dass diese Arbeit weder unterschätzt, noch geringschätzt werden darf!

Ich kann die Qualität des schwedischen Originals nicht beurteilen, aber der Übersetzerin Ursel Allenstein gebührt in jedem Fall Dank und Lob.

So, jetzt geht endlich das Buch kaufen :-)


© 2012 – 2017 bei O. Sartig