Nicole Neubauer - Kellerkind

Nicole Neubauer – Kellerkind

Sehr gelungener Erstling, mit dem Nicole Neubauer zu Recht unter die Fittiche des renommierten blanvalet Verlag genommen wurde. Die überwiegend eher mittelprächtigen Rezensionen, die mir im Vorfeld begegnet sind, kann ich weder nachvollziehen, noch bestätigen.

Als ich das Buch abends im Bett begann, konnte ich es noch nach einigen Seiten aus der Hand legen. Am nächsten Tag gelang mir das nicht mehr. Erst nach 12 Stunden konnte ich mit dem letzten Satz auch das Buch schließen.

Mehrere Faktoren sind geschickt miteinander verwoben, um eine fesselnde Anziehungskraft auszuüben. Tempo ist einer davon. Ein Tag, ein Kapitel; zehn gibt es. Konzentration ein weiterer. Nicht der Geschichte, sondern beim Leser. Bei der Tagesgenauen Wiedergabe und mehreren beteiligten Figuren, passiert an verschiedenen Orten etwas. Die Sprünge sind aber nicht fahrig, sondern sehr präzise und führen dazu, kleben zu bleiben.

Bei den Figuren kommt Freude auf. Sie sind »normal« und damit »alltäglich schräg«; inklusive Leichen im Keller und dunkle bzw. wunde Punkte in Vergangenheit und Gegenwart. Sie sind es auch, die die Geschichte tragen. Ohne starke Charaktere wäre das Debüt wohl in die Hose gegangen.

Der Plot? Ich sage mal so, der Leser wird ordentlich an der Nase herumgeführt. Also so, wie es sein soll und gefällt. Nur am Ende habe ich etwas zu mäkeln. Bei aller sonstigen Genauigkeit, war mir dies zu schwammig. Mir zumindest wurde beim ersten Lesen die Auflösung nicht deutlich. Schon, wer es war, nicht aber die Zusammenhänge, die dazu führten. Ich musste einige Stellen nachlesen, um die hektisch blinkenden Fragezeichen im Kopf zu beruhigen. Etwas fischte ich auch dann noch im Trüben, aber es war wenigstens nicht mehr komplett Dunkel.

Weil die Information für mich wichtig ist, aber meistens fehlt, will ich sie erwähnen. Zu meiner Freude setzt die Autorin auf die auktoriale Erzähl-Perspektive. Dafür gibt es von mir schon mal ein dickes Plus.

Ein Hinweis sollte ich vielleicht noch geben: Nicole Neubauer liebt Metaphern 😉 Da dies meinem Schreibstil ähnelt, hatte sie mich damit schon auf ihre Seite gezogen. Im Fortlauf der Erzählung reduziert sich deren Einsatz zwar, aber wem das nicht liegt, tut sich womöglich schwer.

In einer der im Vorfeld gelesenen Rezensionen wurde behauptet, die Lösung nach bereits wenigen Seiten gewusst zu haben. Das ist haltloser Unfug. Warum, kann ich natürlich nicht sagen, weil ich damit zu viel verraten würde. Lest es selber, dann wisst ihr es.

»Kellerkind« ist ein kurzweiliges Lesevergnügen. Das zweite Buch der Autorin, »Moorfeuer«, habe ich meiner Merkliste hinzugefügt.

Wertung: 6 von 9
w6

 

Zum Buch:
genialokal
Thalia

– – –

Artikelbild: Buch-Cover bei blanvalet / (von mir fotografiert)

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