Nina C. Hasse - Ersticktes Matt

Nina C. Hasse – Ersticktes Matt

Steampunk? Was’n das? Aber es soll ein Krimi sein, oder? Dann mal her damit, wollen wir mal sehen, was denn dieses »Steampunk« ist.
Nina C. Hasse - Ersticktes Matt eingepackt

Von der Autorin liebevoll eingepackt, dauerte es einige Zeit, bis ich das Schmuckstück dann auspackte. Im Inneren fand ich die persönliche Widmung, die sich jeder Besteller wünschen darf. Diesen Aufwand betreibt Nina Hasse, weil sie ihren Erstling komplett in eigener Regie publiziert. Alleine dafür gebührt ihr Hochachtung. Aber es wäre wirklich Schade, wenn dieses Werk nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt hätte. Denn, so viel sei verraten, es ist eine lohnende Investition.

Nun denn also – Steampunk! Nein, mit der Anarchie der Punk-Musik in den 1980er Jahren hat das nichts zu tun – obwohl, andersartig ist das ganze schon irgendwie. Einen besseren Hinweis liefert »Steam« (engl., Dampf), als Synonym für Dampfmaschinen. Aber mit der Vor-Industriellen Zeit hat es trotzdem nur ideell zu tun. Deshalb eben »Steampunk«, eine Zeit mit ungewöhnlichen Maschinen.

Aber keine Angst, die »Technik« ist weder kompliziert, noch irritierend und steht auch nicht im Mittelpunkt. Zudem sind es nur zwei »Hilfsmittel«; so was wie eine Rohrpost und die Notarius. Am ehesten als vorsintflutliche Roboter zu beschreiben, die in »Datenbanken« Fingerabdrücke suchen und Textmitteilungen übermitteln, also Faxen, können – und Kaffee und Tee zubereiten. Ach, und nicht zu vergessen, die Nautilus! Ja, richtig gelesen, dieses sagenhafte Ungetüm ist das Transportmittel über den Pazifik, also die Fährverbindung zwischen England und Amerika.

Doch zum Inhalt. Es ist tatsächlich ein Krimi und ein ziemlich guter dazu. Ist der Plot schon ausgefeilt, lebt die Geschichte eindeutig von den Charakteren. Bis zu den Nebenfiguren zeichnet die Autorin sehr detailliert, so dass im Kopf des Lesers recht genaue Bilder entstehen, aber immer noch genügend Spielraum für die eigene Fantasie bleibt. Dabei erledigt Nina Hasse diese Beschreibungen sozusagen im Vorbeigehen. Keine langatmigen Passagen, sondern geschickt in den Verlauf der Geschichte eingeflochten. Bravourös.

Die Geschichte läuft in »Echtzeit« ab. Vier Tage im Februar 1893. Mir ist das erst später aufgefallen, weil so enorm viel passiert. Der Leser ist zwar die meiste Zeit mit dem Protagonisten Remy Lafayette unterwegs, aber zum Glück, wie ich finde, hat die Autorin die auktoriale Erzähl-Perspektive gewählt. Nur so lässt sich die Komplexität erfassen und in die Geschichte einsteigen.

Zum Inhalt schreibe ich meist eher wenig bis gar nichts, um nicht versehentlich etwas zu verraten. Das machen Andere, mir ist das Gesamtbild wichtig. Es ist erstaunlich, was in den wenigen Tagen passiert und ein gutes Zeichen, wie Dicht Nina Hasse erzählt. Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Vielmehr wird man so in den Fluss des Geschehens gezogen, dass man das Buch nur schwerlich aus der Hand legen kann. Dabei setzt die Autorin überhaupt nicht auf Effekt-Hascherei oder gekünstelte Dramatik, die Wahl ihrer Worte genügt.

Zeitweise habe ich versucht, mich nur auf den Schreibstil zu konzentrieren. Was nicht leicht ist, da man immer wieder in die Geschichte hineingezogen wird. Aus schriftstellerischer Sicht hat Nina Hasse alles richtig gemacht. Jeglichen unnötigen Ballast (Füllwörter, Adjektive usw.) vermieden und lange Schachtelsätze sucht man ebenfalls vergeblich. Im Ergebnis ein perfekt lektoriertes Werk. Chapeau.

Die drei oder vier Macken, auf die man stößt, fügen dem Gesamteindruck keinen Makel zu. Das mal ein falsches Wort auftaucht, oder eins gleich ganz fehlt, hat man schnell überlesen und wieder vergessen.

Fazit

Das Buch ist direkt bei der Autorin zu beziehen, die, nebenbei bemerkt, sehr freundlich und sympathisch ist. Die persönliche Widmung macht das eigene Exemplar zu etwas Besonderem, was man bestimmt nicht wieder aus der Hand gibt.

Die Geschichte ist allemal jede Ausgabe wert. Dafür lasse ich lieber einen Fitzek im Regal der Buchhandlungen verstauben. Von mir gibt es eine klare Empfehlung zum Kauf.

Wertung: 7 von 9

 

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Artikelbilder: Von mir fotografiert; die Rechte liegen bei den jeweiligen Inhabern.

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