OR1 – Kapitel 1 (v2)

Bonn am ersten Wochenende im Juli 1987. Samstag Morgen kurz nach 6 Uhr. Tags zuvor begann Nachmittags das alljährliche Rheinkultur-Festival, kurz Rheinaue genannt. Gefeiert wurde bis weit nach Mitternacht. Jetzt standen die Männer der Stadtreinigung bereit, die Spuren der letzten Nacht zu beseitigen.

Kolonnenführer war wie in den Jahren zuvor Fritz Marfeld. Die Arbeiten fanden zwar auf freiwilliger Basis statt, wurden aber gut bezahlt. So hatte Fritz nie Schwierigkeiten, Mitstreiter zu finden. Von den Arbeitswilligen suchte er sich immer die aus, mit denen er gut auskam und die, das war ihm Wichtig, sein etwas skurriles Hobby mit Gelassenheit hinnahmen.

Fritz fotografierte Müll. Nicht einfach plump jedwede Müllansammlung, um diese dann in irgendeiner Form der Öffentlichkeit unter die Nase zu reiben. Ihn interessierten die Details. Wer sich seine Fotos ansah, vermutete Meist nicht, dass er sich gerade den Ausschnitt eines Müllhaufens anschaute.

Mit seiner Leidenschaft hatte es Fritz Marfeld zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. Neben zwei regionalen Preisen, hatte er eine bundesweite Auszeichnung erhalten. Bedenkt man, dass Fritz mittlerweile mehr als 35 Jahre bei der „Mülle” arbeitet, davon gut 30 Jahre seiner Leidenschaft nach geht, verwunderte das kaum. In dieser Zeit war Einiges an Material zusammen gekommen.

Vor rund 10 Jahren hatte Fritz ein weiteres Lieblingsmotiv für sich entdeckt: „Schnapsleichen”. Menschen, die es des Nachts nicht mehr in ein Bett geschafft haben und egal war, sich der Öffentlichkeit preiszugeben. Wobei Fritz immer betonte, dass Obdachlose nicht zu seinen Zielen gehörten. In dieser Zeit waren bereits einige amüsante Fotos entstanden. Hierauf einen vergnüglichen Blick zu werfen, ist Fritz, seiner Frau, einigen guten Freunden und einem kleinen Kreis vertrauenswürdiger Arbeitskollegen vorbehalten.

Fritz war sich im Klaren darüber, dass er sich auf Glatteis bewegte. Obwohl er seine „Opfer” ohne deren Wissen und Zustimmung heimlich fotografierte, achtete er deren Privatsphäre. Die Bilder nicht zu veröffentlichen hielt er für einen ausreichenden Schutz. Und natürlich hatte er Angst vor rechtlicher Verfolgung.

Einmal wäre es beinahe schief gegangen. Wahrscheinlich beim ersten Klicken des Auslösers wachte eine „Schnapsdrossel” auf; da hatte Fritz aber bereits das zweite Mal abgedrückt. Der überraschte, erschrockene, erstaunte und ängstliche Blick des jungen Mannes, der sich von einer Gruppe orange gekleideter Männer umstellt sah, bescherte Fritz eines seiner besten Fotos. Der Gesichtsausdruck ist mit Worten kaum zu beschreiben und sorgt noch Heute für Gelächter bei den beteiligten Kollegen. Mit diesem Bild würde Fritz sicher einen Preis gewinnen, da war er sich sicher, doch es blieb in seinem Archiv.

Glücklicherweise waren seine neun Kollegen heute alles Eingeweihte. Das bedeutete, sie wussten auch von der „Schnapsleichen”-Leidenschaft.

Wie jedes Jahr teilten sich die Männer in zwei Fünfer-Gruppen auf. Eine begann am südlichen Ende des Festival Geländes, die anderen kamen ihnen aus dem Norden entgegen. Von Jahr zu Jahr dehnte sich die Größe des Geländes in diesen Richtungen aus. Östlich und Westlich konnte es sich nicht verbreitern. Auf der einen Seite floss der Rhein, die andere Seite war durch einen hohen Wall begrenzt, der sich parallel zum Fluss entlang zog.

Aufgefächert bewegten sich die beiden Gruppen aufeinander zu und sammelten den Müll ein. Fritz kam mit seinen Leuten von Norden und lief selbst auf der zweiten Position, vom Rheinufer aus gesehen. Der Abstand zwischen ihnen betrug ungefähr 15 m. Auf der gesamten Festival Fläche standen nur drei Bäume und ein paar mehr Sträucher und Büsche. Das Bild prägten die zwei Bühnen, das Festzelt und reihenweise Verkaufsbuden.

Sie waren wohl eine Viertelstunde unterwegs, als Fritz einen leisen Pfiff hörte. Er schaute zu Tim, der Rechts neben ihm sammelte. Der deutete mit dem Daumen nur stumm in Richtung Philip, eine Position weiter. Fritz hatte bereits den winkenden Kollegen entdeckt, der mit der anderen Hand auf den Boden zeigte. Philip stand vor einem der wenigen Büsche, so dass Fritz nicht sehen konnte, auf was ihn der Kollege aufmerksam machen wollte; er ahnte es aber und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Die Mülltüte und Sammelzange ließ Fritz an seiner jetzigen Position, um später dort seine Arbeit wieder aufzunehmen. Seine Kamera hatte er immer bei sich. Bis sie zum Einsatz kam, war sie in einer gepolsterten Tasche verstaut, die an einem Gurt um Fritz Hüfte hing; zu Meist an seiner Rückseite, wo sie am wenigsten im Weg war. Beim Gehen schob er die Gürteltasche an seine rechte Seite und holte die Kamera hervor. Es war eine Canon AE1 und sein ganzer Stolz. Als er an der gezeigten Stelle eintraf, war Fritz bereit.

Tatsächlich lag dort ein junger Mann, der seinen Rausch auszuschlafen schien. Den Oberkörper recht weit unter dem Buschüberhang. Kurz blitzte der Gedanken auf, wie viele Männer sich hier wohl vorher erleichtert hatten. Innerlich schüttelte Fritz sich über die ekelhafte Vorstellung, konzentrierte sich dann, die richtige Position für das Bild zu finden. Geübt machte er schnell fünf Bilder; jeweils mit leicht verändertem Blickwinkel. Währenddessen schotteten die Kollegen seiner Gruppe die Szenerie Richtung Straße so gut es ging ab.

Wieder auf dem Weg zu seiner Position verstaute er die Kamera und dachte über das eben Gesehene nach. Irgendwas weckte sein Misstrauen. Kerzengerade lag der Mann dort. Seine Kleidung war weder verrutscht, noch zerzaust oder verdreckt. Die Hände lagen übereinander auf dem Bauch und das Gesicht wirkte ganz entspannt. Es schien sogar ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen zu liegen. Das passte alles nicht zu den Erfahrungen, die Fritz bisher gemacht hatte.

Gedankenverloren sammelte er weiter Müll. Als die beiden Gruppen sich trafen, redeten sie kurz über die Entdeckung. Aus der Ferne konnten die Anderen natürlich das Verhalten ihrer Kollegen beobachten. Danach machten beide Gruppen wie üblich kehrt, verlegten ihre Position etwas vom Hinweg entfernt, um auf dem Rückweg einen anderen Korridor vom Müll zu befreien. Von sich aus überließ Philip seine Position Fritz. So starteten sie den zweiten Sammel-Törn.

Als die Truppe wieder auf Höhe des Busches eintraf, waren nahezu eineinhalb Stunden vergangen. Vorsichtig näherte Fritz sich, wobei er sich bemühte Geräusche zu vermeiden. Er wusste, dass seine Kollegen gespannt zu ihm sahen. Mit einer knappen Kopfbewegungen forderte er sie auf, zu ihm zu kommen. Wie schon beim ersten Mal bildeten sie einen Sichtschutz zum Wall. Auf der darauf befindlichen Straße war aber zu dieser Zeit noch wenig los.

Langsam schob sich der Pulk um den Busch. Als sie die Füße erblickten, hielten Alle, wie auf ein geheimes Zeichen hin, die Luft an. Vorsichtig reckten sich dann fünf Köpfe vor. Aus der Entfernung sah das sicher Komisch aus; worüber sich die Männer im Moment aber bestimmt keine Gedanken machten. Erst, nachdem sie festgestellt hatten, dass sich rein gar nichts verändert hatte, atmeten Alle weiter – ganz Leise.

Trotz der frühen Zeit war es warm genug, dass ihnen ein Polo-Shirt zur langen Hose und den Arbeitsschuhen genügte. Darüber hinaus waren die festen Arbeitshandschuhe Pflicht, auch wenn dies schwitzende Hände zur Folge hatte. Fritz zog sich nun den Linken aus und ging in die Hocke. Die geöffnete Handfläche führte er dicht vor Mund und Nase des Mannes. Einen Augenblick später nahm er die Hand zurück und drehte seinen Kopf zu den Kollegen. Mit besorgtem Blick zuckte er nur kurz mit den Schultern. Daraufhin reichte Tim ihm sein Feuerzeug. Fritz entzündete es und bewegte die Flamme in den vermuteten Luftstrom der Nase.

Jetzt spielte ihnen die drückende Luft in die Karten, die keinen Grashalm und kein Blatt am Baum in Bewegung brachte. Die Sekunden vergingen, doch die Flamme flackerte keinen Millimeter. Fritz nahm den Daumen von der Gaszufuhr und gab es Tim zurück. Dabei sah er in vier ratlose und erschrockene Gesichter.

Wieder wandte er sich dem am Boden Liegendem zu. Vorsichtig legte er Zeige- und Mittelfinger auf die Stelle, wo die Halsschlagader verläuft. Mit ganz leichtem Druck wartete er. Nach einer gefühlten Unendlichkeit nahm er die Hand zurück, schaute zu seinen Kollegen auf und schüttelte den Kopf.

„Der ist tot”, sprach er trocken aus. Diese Erkenntnis schnürte ihm den Hals zu. Seine Kollegen schluckten heftig und blickten ihn erschrocken an. Fritz zog sich seinen linken Handschuh an und kniete sich nun neben den Mann. Da um dessen Kopf herum keine Verfärbung im Boden auszumachen war, hob er seitlich ganz vorsichtig den gesamten Körper etwas an. Nur so weit, dass er ein wenig darunter schauen konnte. Der dunkle Fleck im weißem Hemd reichte ihm. Langsam legte er den Körper wieder ab. Er wischte dann mit dem Handschuh um die Stelle am Hals, wo er zuvor mit seinen Fingern nach dem Pulsschlag gesucht hat. Warum er dies tat, wusste er nicht wirklich – es geschah einfach. Allerdings sorgte diese unscheinbare Geste bei den Anwesenden nur für noch mehr Verzweiflung.

Fritz richtete sich wieder auf und drängte seine Kollegen ein paar Schritte vom Busch weg. „Kein Wort darüber, dass ich ihn fotografiert habe. Kann ich mich darauf verlassen?!”, zischte er sie an. „Na klar!”, kam es unisono zurück. „Gut!” Den sonst nicht zimperlichen Männern war deutlich anzusehen, wie heftig ihnen der Schreck in die Knochen gefahren war. Alle schauten Fritz an, der angestrengt darüber nachdachte, wie sie unbehelligt aus dieser Situation kamen. Nach einer halben Ewigkeit wandte sich der Kolonnenführer an seine Mitstreiter, deren Nerven zum Reißen gespannt waren. „Ich werde jetzt die Polizei anrufen und denen mitteilen, dass hier wohl noch Jemand seinen Rausch ausschläft und ob sie sich nicht besser darum kümmern sollten, bevor die heutigen Besucher wieder das Gelände stürmten.” Nach einer kurzen Pause fuhr er mit Nachdruck fort. „Ihr drei sammelt jetzt den Rest zu Ende. Philip bleibt hier am Busch und hält die anderen zu ihrem eigenen Schutz fern. Ich such mir oben an der Straße eine Telefonzelle. Dann treffen wir uns alle am Auto. Soweit klar?” Die Angesprochenen nickten stumm. Doch Fritz war noch nicht fertig. „Ganz wichtig ist, dass wir uns alle beruhigen! Man darf uns nichts anmerken und ihr wisst, dass die Bullen dafür ein Näschen haben. Leuchtet euch das ein?” Wie begossene Pudel standen sie da und schluckten heftig. Philip fand als Erster seine Stimme wieder, „Na klar Fritz, wir sind doch nicht bescheuert!” Skeptisch schaute Fritz seinen Kollegen an, „na dann ist ja alles in Butter. Marsch an die Arbeit!”

Während Fritz den Wall zur Straße erklomm, schaute er nach den Kollegen der anderen Gruppe. Sie machten zwar ihre Arbeit, stockten aber immer wieder, um sich irgendwas zuzurufen. Natürlich waren sie neugierig, Fritz konnte das verstehen. Zumal wo ganz offensichtlich etwas bewacht wurde. Sein Blick schweifte Richtung Busch. Philip hatte sich südlich davon positioniert. So hatte er die Kollegen vor sich und der Tote lag hinter ihm unter dem Gestrüpp.

Nicht weit entfernt entdeckte Fritz eine Telefonzelle und eilte dorthin. Er kramte ein paar Münzen aus seiner Hosentasche und war froh, dass auch genügend Groschen dabei waren. In der Zelle nahm er den Hörer von der Gabel und starrte sekundenlang darauf, als ob gleich irgendeine Hilfe daraus hervor kriechen würde. Dann riss er sich zusammen, warf die Münzen ein und erschrak vor seinen zittrigen Händen. Vor dem ersten Freizeichen holte er tief Luft; in der Hoffnung, so sein pochendes Herz etwas unterdrücken zu können. Nachdem er den verabredeten Text durchgegeben hatte und erfuhr, dass gleich ein Wagen rüber geschickt werden würde, versuchte er auf dem Weg zurück seine eigene Anweisung zu befolgen – sich zu beruhigen.

Als er beim Müllwagen ankam, waren inzwischen alle Kollegen eingetroffen. Die fragenden Blicken der Süd-Truppe wertete er so, dass die anderen ihnen keine Antworten geliefert hatten. „Irgendwann, nur nicht jetzt!” wandte sich Fritz mit ungewöhnlich scharfen Worten an diese. Die wollten gerade anfangen zu protestieren, als Fritz den Versuch mit einem energischen „Ruhe jetzt” im Keim erstickte. Denn von der nördlichen Zufahrt, im Rücken der Kollegen, näherte sich ein Polizeiwagen. Fritz hob die Hand und deutete mit einer Geste an, dass er zu ihnen käme. Als er in Hörweite war, begrüßte ihn der Fahrer durch das geöffnete Fenster und fragte freundlich, „bist du hier der Verantwortliche?” Fritz war über die Hitze inzwischen froh, denn so war der Schweiß auf seiner Stirn unverdächtig. „Ja”, antwortete er ebenso freundlich, bemüht, einen unverfänglichen Ton anzuschlagen. Dass er, trotz seines Alters, wie selbstverständlich geduzt wurde, beachtete er nicht weiter. In seinen Anfangstagen hatte er sich noch darüber aufgeregt; über die Jahre war es ihm egal geworden und meist duzte er eben einfach zurück. Doch bei einigen Mitarbeitern der Staatsmacht hatte er sich damit schon kräftig die Nase gestoßen, so dass er hier immer die Form wahrte. Jetzt blieb er Neutral, „es ist der Busch da hinten”, und deutete mit ausgestrecktem Arm auf das Ziel.

„Komm, steig ein, falls wir noch irgendwelche Fragen haben”, forderte ihn der Mann hinterm Steuer auf. „Gerne”, erwiderte Fritz möglichst unbefangen, obwohl ihm immer Elendiger wurde. Nicht nur durfte er sich etwas anmerken lassen, war ihm im Fond eines Polizeiautos stets mulmig. Auf dem Rücksitz fühlte er sich als Gefangener, auch wenn er die wenigen Male, wo das vorkam, nur Mitfahrer war. Die hinteren Türen ließen sich nicht von Innen öffnen, was das Unbehagen in ihm auslöste.

Am Busch angekommen, war Fritz Heilfroh, als die Hintertür geöffnet wurde und er aussteigen konnte. Er blieb aber am Auto stehen, während sich die beiden Beamten zum Busch aufmachten, der noch einige Meter entfernt war. „Keine Spuren vernichten”, dachte sich Fritz nur, der wusste, wie Richtig er damit lag. Es dauerte auch nicht Lange, bis die Beifahrerin zurück zum Auto eilte und aufgeregt in die Funkanlage sprach. Danach bat sie Fritz zu seinen Kollegen zurück zu gehen und dort zu warten.

Innerhalb weniger Minuten war es mit der morgendlichen Ruhe am Rheinufer vorbei. Der Strom an Sirenen schien nicht abreißen zu wollen. Das Areal füllte sich mit Einsatzfahrzeugen und einer unüberschaubaren Menge an Menschen. „Was für ein Durcheinander”, raunte Fritz vor sich hin, dem nicht sonderlich Wohl zu Mute war.

Sie standen am Rande des Geschehens, erblickten aber in ihrer Nähe einen VW-Bus der Polizei, wo ein junger Polizist emsig damit beschäftigt war, Kaffee auszuschenken. Fritz machte sich dorthin auf und seine Kollegen folgten ihm. „Scheint wohl länger zu dauern”, fragte er den Beamten. „Ja” war die gehetzte Antwort. „Ist für uns auch ein Kaffee drin, wenn wir schon nicht nach Hause dürfen?” „Na klar, geht sofort los”, kam es diesmal etwas freundlicher zurück. Mit frischem Kaffee versorgt, zog sich der Pulk wieder zurück und beobachtete den Trubel.

Nach einer gefühlten Ewigkeit lösten sich zwei Männer aus dem Durcheinander und kamen auf die Müllmänner zu. Seine Kollegen zogen sich kleinlaut hinter Fritz zurück. „Guten Morgen, mein Name ist Mark Stoffels von der hiesigen Kriminalpolizei und das ist mein Kollege Tobias Ahlmann vom BKA. Sie haben den Mann gefunden?” „Nein, entdeckt hat ihn mein Kollege”, womit Fritz auf Philip zeigte, „der mich aber gleich dazu rief, weil ich hier der Kolonnenführer bin.” „Haben sie irgendwas angefasst oder verändert?”, wollte der Mann vom BKA wissen. „Nein, aber Fünf von uns standen um den Besoffenen rum; auch wenn wir so etwas zwar häufiger sehen, ist es doch immer wieder amüsant”, entgegnete Fritz. Streng schaute ihm der Mann von der Kripo in die Augen. „Ob der Mann besoffen ist, können wir noch nicht sagen, nur dass er Tot ist und Fremdeinwirkung die Ursache – und das ist keineswegs amüsant.” Auch wenn Fritz das nun schon wusste, merkte er, wie ihm diese Rüge die Farbe aus seinem Gesicht trieb. „Ermordet?” fragte er sichtlich erschüttert mit leiser Stimme. „Ja. Sind ihnen irgendwelche weitere Personen aufgefallen, während sie hier gearbeitet haben?”, wollte Mark Stoffels wissen. Wahrheitsgemäß antwortete Fritz, „Nein, außer uns hat sich hier niemand rum getrieben.” „Na gut. Es wird gleich ein Kollege kommen, um ihre Personalien auf zu nehmen. Danach können sie nach Hause gehen. Wir werden uns melden, wenn wir noch Fragen haben. Schönes Wochenende noch.” Damit drehten sich die Beiden um und ließen zehn gestandene Männer verunsichert zurück.

Fritz drehte sich zu seinen Männern, zuckte mit den Schultern, „ihr habt ihn gehört ‘schönes Wochenende’.” Seinen sarkastischen Tonfall unterstrich er mit einer passenden Grimasse, bevor er fort fuhr. „Der hat gut Reden, sieht schließlich mehr Leichen als wir, oder wird jemand von euch ein ‘schönes Wochenende’ haben?” Alle schüttelten den Kopf. Fritz überlegte derweil, ob er die Vorkommnisse seiner Frau erzählen sollte. Er entschied sich dafür; sie würde es ihm anmerken, da war er sich sicher, also lieber gleich die Karten auf den Tisch legen.