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Personen und Orte im steten Wandel

Menschen entwickeln sich. So natürlich auch die in einem Roman vorkommenden. Gehört deren Entwicklung doch gerade zu den Haupt-Faktoren einer Geschichte. Man denke nur an Frodo und Smeagol (Gollum) aus »Herr der Ringe«, oder an Harry Potter.

Damit im Verlauf der Erzählung die Personen eine Entwicklung vollziehen, ist im Vorwege reichlich Gedankenschmalz beim Erschaffer erforderlich. Und um diesen soll es hier gehen.

Als ich damals das erste Kapitel niederschrieb, war es unumgänglich, mir zu den auftretenden Personen Gedanken zu machen. Die Resultate sind bis Heute unverändert und im Glossar nachzulesen.

Wie ich bereits in der Kommentierung zu den ersten neuen Szenen anmerkte, stoße ich an die Grenzen meiner bisher nur groben Skizzierung der Personen. Es sind eher oberflächliche Eigenschaften, keine tiefer gehende Charakteristik. Da mich diese fehlende Tiefe derzeit festhängen lässt, kann ich den Prozess des Gedankenkarussells an Hand der Person »Mark Stoffels« sichtbar machen.

Situation: Er steht in der Nähe der Leiche und sieht, wie der Rechtsmediziner an der Wunde »rumfummelt« – so zumindest sein Empfinden.
Überlegungen: Ekelt er sich davor, oder wird ihm gar schlecht dabei? Soll das nun eher amüsant geschildert werden, oder als ernsthaftes Problem?

So schön es natürlich ist, dass überhaupt Einfälle kommen, zeigt es, wie Elementar es ist, seine Darsteller umfassend im Vorwege zu »kennen«. Doch wie im richtigen Leben, lernt man seine Personen auch erst im Verlauf der Geschichte näher kennen, kann sie in einem Roman allerdings anpassen bzw. korrigieren.

Hinter Allem stecken zwei grundsätzliche Fragen. Welche Charakterzüge/Eigenschaften braucht eine Person und wie wichtig sind diese für die Geschichte?

Auf die Ausgangssituation bezogen: Kann die Abscheu von Mark sich auf die Geschichte auswirken? Könnte es einen Einfluss auf die Entwicklung ausüben? Damit wäre dieser Charakterzug ein wichtiger Bestandteil und entsprechend ernsthaft auszuführen? Verändert er nicht den Verlauf, kann er als witziger Bestandteil zu einer schmunzelnden Unterbrechung verwendet werden. In diesem Fall stellt sich dann die Frage, will man komische Momente in der Geschichte, oder soll bevorzugt eine Gänsehaut beim Leser erzeugt werden?

Unschwer ist zu erkennen, welch komplexe Gedanken notwendig sind, bevor der Roman zum Leben erweckt werden kann. Nur, weil man einen Plot, also die Grundidee, im Kopf hat, schreibt sich das Drumherum nicht von selbst.

So sehr man sich auch bemüht die Details zu einer Person im Vorwege herauszuarbeiten, bleibt sie unvollständig. Sehr wahrscheinlich stolpert man während des Schreibens über eine Kleinigkeit, die in diesem Moment genial reinpassen würde. Das kann man dann nicht einfach so hinzufügen. Vielmehr sind jetzt Überlegungen notwendig, ob es zum bisherigen Verlauf harmoniert, oder sich mit früheren Beschreibungen beißt. Danach gilt es zu prüfen, wie es den weiteren Fortgang beeinflusst. Passt man hier nicht auf und gibt seiner Euphorie nach, können logische Fehler entstehen. Und eins ist sicher, der Leser wird sie entdecken.

Als bewegliche Objekte unterliegen Personen einer steten Veränderung. Mit ihnen steht oder fällt die Geschichte. Nachlässigkeit kann sich hier kein Schreiberling erlauben.

Bei weitem nicht so schwerwiegend ist es bei den Orten bzw. Schauplätzen. In einer Fantasy-Welt hat man freie Hand. Schluderig darf man trotzdem nicht werden; der Nadelbaumwald von Seite 29 darf auf Seite 237 nicht plötzlich zum Laubbaumwald werden, oder die anfangs zentral gelegene Dorfkirche an den Rand wandern, nur weil der nun erwähnte Friedhof nicht in die Dorfmitte passt.

An realen Schauplätze darf man nicht zu viel herumdoktern. Die aus der Umgebung stammende Leserschaft wird es einem entweder Krumm nehmen, oder sich darüber Lustig machen. In beiden Fällen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Buch an dieser Stelle beendet wird. Zu dem wird dieser »Mangel« nur zu gern unters Volk gestreut. Bekanntlich verbreitet sich Negatives schneller und weiter, als Positives.

Fazit

Personen stehen im Mittelpunkt und tragen die Geschichte. Umfangreiche Vorarbeiten erhöhen die Sicherheit beim Schreiben, dürfen aber nicht zu Nachlässigkeit führen. Ein ständiges Beobachten seiner Figuren ist daher Pflicht.

Schauplätze sollten genau recherchiert bzw. definiert sein. Unstimmigkeiten fallen der Leserschaft auf und Missmut war noch nie förderlich.

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Artikelbild: Spielfiguren © bei U. Weinreich / pixelio.de / Lizenz: Redaktionelle Nutzung / Bearbeitet: Abmessungen für Webseite proportional angepasst; keine inhaltliche Veränderungen (Bearbeitungsrecht zu diesem Bild)

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