Der unfertige Roman

Schreiben – Lesen – Reflektieren

Bild: Fernseher © bei Klaus Nahr | Lizenz: CC-BY-SA 2.0

Text veröffentlicht: 25.05.2016

Leitwort: Inspiration

Fernsehen als Inspirationsquelle

Zum Abschalten oder Entspannen eine Runde Fernsehen am Abend? Warum nicht? Doch kann man als Schreiberling wirklich abschalten, oder produziert der Kopf nicht ständig irgendwelche Geschichten, seien es auch nur kurze Szenen?

Ich weiß nicht, ob die Herkunft oder der Zusammenhang von Inspiration schon wissenschaftlich erforscht ist, oder sich überhaupt erforschen lässt. Interessiere ich mich durchaus intensiv für Hintergründe, ist mir das in diesem Fall völlig egal. Diese sprudelnde Quelle ist einfach wunderbar und wird sich nicht entzaubern lassen.

Fernsehen kann auf unterschiedliche Weise als Inspirationsquelle nützlich sein. Ganz grob für komplett neue Ideen, oder feinteilig für Details in bereits Vorhandenem. Es kann Initialzünder sein, oder Korrektor für Bestehendes.

Die große Frage ist, eignen sich alle Formate? Lässt sich das überhaupt runter brechen? Kommt es nicht auf den Zweck, Typus oder die eigenen Vorlieben an?

Sicherlich beeinflussen Interessen die Auswahl maßgeblich und es dürfte schwer sein, diese Grenzen zu überschreiten. Es besteht aber die Gefahr, dass vorschnell Unlust und Abneigung in einen Topf geworfen werden. In diesem Fall beraubt man sich Selber der Möglichkeit Neues zu entdecken.

Zweifelsohne sind Dokumentationen, gleich welcher Couleur, für jede Art an Inspiration geeignet. Reportagen können ihren Zweck bei Recherchen erfüllen. Spielfilme bedienen beide Seiten, Entspannung und Impulsgeber. Bei (Spiel-)Shows fällt vielleicht hin und wieder eine Idee ab.

Das restliche Sendungsangebot, das zugegebenermaßen den größten Teil ausmacht, ist eher unbrauchbar. Außer man benötigt zeitgenössisches Material, um seine Figuren durch den Kakao zu ziehen.

Allerdings sollte man vermeiden, sich mit einer Erwartungshaltung vor die Glotze zu setzen. Damit blockiert man sich höchstens Selber. Die Hoffnung auf das Eintreffen bestimmter Ereignisse, grenzt den Blick ein und hemmt gerade die kreativen Prozesse.

Im Prinzip trifft die Redensart, sich berieseln lassen, den Nagel auf den Kopf. Wertfrei das Geschehen auf dem Bildschirm verfolgen, erhöht die Wahrscheinlichkeit von einer Inspiration getroffen zu werden. Denn erstaunlicherweise besteht der Zusammenhang darin, dass eben gerade kein Zusammenhang zu bestehen scheint. Paradox? Ja, genau daraus nährt sich Inspiration.

Etwas weniger Mysteriös ist damit gemeint, dass das Gesehene zwar eine Idee auslöst, aber keinen Bezug dazu haben muss. Es hat in diesem Moment nur einen Deckel geöffnet und aus dem Unterbewusstsein frei gelassen, was bereits vorhanden war. Jetzt wird es noch verrückter und komplizierter? Nicht wirklich. Der eigentliche Zauber steckt in dem Wort »offen« und all seinen Abwandlungen.

Ein offener Geist ist empfänglich für Neues. Ein offener Geist ist frei von Kritik. Ein offener Geist hat Weitblick. Ein offener Geist denkt nicht in Grenzen.

Richtig, alles Gegensätzliche beschränkt. Deswegen werden Künstler gerne als Frei-Denker bezeichnet, obwohl das von den Nennern durchaus abfällig gemeint ist, was aber eher mit deren Neid zu tun hat. Erst Frei Denken ermöglicht Kunst, und dazu gehört Literatur.

Alle empfangenen Inspirationen sinnvoll zusammen fügen, ist der nächste Schritt. Daraus ein Werk zu erschaffen, folgt im Anschluss und ist der schwierigste Teil auf dem gesamten Weg.

Fazit

Fernsehen kann dumpfe Zeitverschwendung sein. Mit der richtigen Auswahl und eigenen Einstellung lässt sich aber durchaus unentdecktes Potential zu Tage fördern. Es Pauschal zu verdammen verschließt womöglich den Zugang zu neuen Erfahrungen. Wer weiß schon, was da noch alles in Einem schlummert?

Glotzt TV, aber vergesst darüber nicht, das Werk auch zu erschaffen!


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