Der unfertige Roman

Schreiben – Lesen – Reflektieren


Text veröffentlicht: 22.11.2015

Leitwort: Schreibtipp

Kleine Häppchen – Szenen

Ich erwähnte bereits*, als wie hilfreich es sich herausgestellt hat, ein ganzes Kapitel in Szenen aufzuteilen. Obwohl ich im Vorwege unmotiviert war, klappte die Trennung recht reibungslos.

In diesem Artikel soll es jetzt nicht um das Ergebnis für Kapitel 1 des Offenen Romans* gehen, sondern um die grundsätzliche Sinnhaftigkeit dieser möglichen Art einer Herangehensweise.

Klar dürfte sein, dieses im Nachgang für eine bereits bestehende größere Menge an Text durchzuführen, ist nur dann zu empfehlen, wenn man feststeckt. Aus der gemachten Erfahrung habe ich für meine zukünftigen Projekte gelernt, von Beginn an in Szenen zu denken – zumindest im reinen Schreibprozess.

Ich weiß, dass ich nicht der Erste und Einzige bin, der diesen Rat ausspricht. Auch kleine Schritte führen zum Ziel, diese Weisheit hat sicher jeder schon vernommen. Doch verstanden, begriffen, oder noch besser, gefühlt? Ja, es lässt sich tatsächlich fühlen. Mache auf deinem nächsten längeren Spaziergang mal übertrieben große Schritte. Wie lange hältst du das durch? Wann wird es anstrengend? Wann vergeht dir die Lust?

Unser Kopf will immer Alles und das sofort. In der Diskrepanz zwischen Wissen, Wollen und Akzeptanz reiben wir uns auf – und füllen die Reha-Kliniken. So, nun nicht abschweifen ;-)

Über Twitter war zu verfolgen, dass Markus Heitz den ersten Rohentwurf für einen neuen Roman in zwei Monaten geschrieben hat - 500 Seiten! Wer seine Erfahrung aus so vielen Veröffentlichungen schöpfen kann, schreibt wahrscheinlich frei von der Leber weg und benötigt nur noch seine Notizen und Recherchen.

Insofern ist dieser Tipp an Einsteiger, wie mich, gerichtet, die von dem Umfang ihrer Geschichte im Kopf erdrückt werden. Denn in diesem Punkt unterscheidet sich der Anfänger nicht vom Profi, in beiden Köpfen steckt ein Plot, der raus will.

Wenn das große Ganze im Kopf herum spuckt, mag es sich schwierig anhören, jetzt in einzelnen Szenen zu denken. Stimmt, ist es auch bzw. geht auch nicht. Doch beim Schreiben selber funktioniert es, weil wir da ja gezwungen sind, uns auf das gerade zu tippende zu fokussieren. Nun braucht es etwas Disziplin, um nicht abzuschweifen und die Gedanken wieder im großen Ganzen zu verlieren.

Keine Angst, der Plot in deinem Kopf lässt dich nicht im Stich und leitet dich; wie auf einer unsichtbaren Führungsschiene. Wahrscheinlich wirst du schnell merken, wie Leicht die vormals als so schwer empfundene Last wird und wie flüssig die einzelnen Szenen unter deinen Fingern erwachen.

Alle mir bekannten Schreibprogramme für Autoren sind für diese Arbeitsweise ausgelegt. Meiner Meinung nach existieren diese Programme gerade deswegen. Denn theoretisch könnte man auch mit Word oder Writer einen Roman schreiben, tut nur Keiner (ok, kaum Einer), weil es viel zu Mühselig ist.

Wer kein Geld für die bekanntesten Vertreter (Papyrus, Patchwork, Scrivener) dieser Gattung ausgeben kann, dem bietet sich mit yWriter eine durchaus gleichwertige Alternative ohne Kosten. Für Android Smartphones kann ich die App Story Planner empfehlen. In kommenden Artikeln werde ich mich mit Schreibprogrammen befassen, auch wenn es schon zahlreiche Ausführungen dazu geben mag. Ich vertraue da meinem stets andersartigen Blickwinkel :-)

Fazit

Bevor du vor der Mächtigkeit deines Vorhabens kapitulierst, schleiche dich mit kleinen Schritten heran. Es gibt nur einen Fehler zu vermeiden: Nicht im Vorwege überlegen, wie die Geschichte in Szenen aufzuteilen ist! Das kann schließlich nicht funktionieren und katapultiert dich in eine Endlos-Schleife.

Fang einfach mit der nach deiner Vorstellung ersten Szene an. Der positive Nebeneffekt dieser kleinen Häppchen ist, sie sind leichter zu korrigieren oder sogar neu zu ordnen.

In diesem Sinne … ruft da nicht deine Tastatur nach dir?


* Die Inhalte der Kategorie Offener Roman sind noch in der Überarbeitung. Nach deren Fertigstellung werden hier entsprechende Verweise nachgepflegt.


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