Sitzreihe zum Wochen-End-Geplauder

Wochen-End-Geplauder – [1622]

Das sich die Blog Umzüge über Wochen hinziehen würden, hatte ich mir nicht vorstellen können. Ich machte das ja nicht zum Ersten mal. Unvorhergesehenes hat dann oft Nebeneffekte. In diesem Fall betraf es meine Schreiberei.

Als es endlich weiter gehen sollte, hatte ich gedacht, ein kurzes Einlesen in die letzten Absätze würde genügen. Da hatte ich mich geirrt. Natürlich wusste ich, was in der Geschichte passiert, aber ich war »raus«, »aufgetaucht«. Verantwortlich dafür dürfte sein, dass ich nicht zu der Gruppe der akribischen Planer gehöre, sondern eher ein entdeckender Schreiber bin. Zwischen groben Handlungspunkten wächst die Geschichte direkt beim Schreiben.

Ich brauchte tatsächlich einen Tag, um wieder einzutauchen. Jetzt ist alles Gut. 🙂

#1 Sonst So

eBooks sind keine Bücher, sondern nur eine »elektronisch erbrachte Dienstleistung«. Darüber freut sich der Finanzminister, weil der hohe Steuersatz fällig wird. Zudem greift hier nicht die Preisbindung, was sie zu einem Spielball der Willkür macht und verhindert, als ernsthaftes Werk anerkannt zu werden. Wie schon bei der Musik setzt sich in den Köpfen der Nutzer ein verkehrtes Bild fest. Digital bedeutet schnell und leicht verfügbar und darf bzw. kann deshalb nichts kosten.

Die Selfpublisher unterstützen diesen verhängnisvollen Trend. Jeder kann nun etwas veröffentlichen und um wahr genommen zu werden, wird es eben für 99 Cent verramscht. Wer sich selbst derart Wertlos einordnet, sollte vielleicht schauen, ob er seine Zeit nicht sinnvoller verwenden kann. Einen Gefallen tut er/sie damit niemanden. Ganz im Gegenteil führt die Überschwemmung dazu, dass alle mitgerissen werden und am Ende ein Trümmerfeld übrig bleibt.

Die bisherige Entwicklung ist Verhängnisvoll und mir fällt es schwer zu glauben, dass hier noch eine Umkehr, oder zumindest Richtungsänderung, möglich ist. Die »etablierte« Verlagsbranche könnte sich entgegenstemmen, doch die schreien lieber »Dieb«, weil man ihnen die weichen Kissen wegnimmt. Selbstverliebt sind sie Blind für die Umgebung geworden.

Aber woher soll frischer Input kommen? Vorhandenes Personal wechselt nur innerhalb der Branche und Nachwuchs scheint nach eigenen Maßstäben selbst herangezüchtet zu werden.

Das Internet, ja das war mal was Neues. Und zeigt was? Hilflos irrt man im Wattenmeer herum und langsam steigt die Flut…

Natürlich begrüße ich eBooks. Doch hätten sich nicht Fehler vermeiden lassen können? Doch, aber die, die es gekonnt hätten, haben geschlafen. Die Gunst der Stunde hat dann jemand anderes genutzt, dem jedes Mittel recht ist, solange es Profit verspricht und Zerstörung war schon immer ein sehr effektives.

Überall ist das Geheul groß und jeder trägt sein Schäfchen dazu bei. Der ganze Schaden erschließt sich hingegen nur, wenn man die Gesamtheit überblickt. Nur die eigenen Interessen verfolgen, ist zu engstirnig und bietet keinen Raum zum Ausweichen.

Verkümmert Intelligenz genauso wie ein Muskel, wenn dieser nicht mehr benutzt wird? Ich frag nur mal. Mich macht das sehr Traurig.

#2 Netz-Häppchen

Radio? Höre ich schon lange nicht mehr. Die Titel klingen alle gleich und die ständigen Wiederholungen strapazieren das Nervenkostüm. Und dann diese penetranten, völlig überflüssigen Jingles! Von den Moderatoren rede ich mal nicht, die dürfen vielleicht nicht anders.

»Optimierung« lautet das Mantra in allen Wirtschaftszweigen. Zahlen pressen jede Individualität in gleichförmige Strukturen und kappen Ecken und Kanten. Mit Einheitsbrei werden die Hörer zum Einheitskonsument geformt. Jetzt fehlt nur noch die einheitliche Kleidung…

Theo Wurth hat sich auf Zebrabutter detailliert mit dem Formatradio befasst. Keine Angst, ist keine trockene Kost, sondern sehr Lesenswert.

#3 Seiten-Kleister

Infolge Oben erwähnter Pause wollte ich dann »richtig Gas« geben. Ich schraubte mein Tagesziel hoch, obwohl die bisherige Statistik gegen die eingestellte Zahl sprach – und ich auch nicht erreichte. Schweren Herzens hatte ich etwas zu akzeptieren: Meine Arbeitsweise!

Mir ist nicht bekannt, ob die Art zu Arbeiten in unseren Genen steckt, also angeboren ist, oder sich erst im Laufe der Jahre entwickelt. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass wir es im ersten Fall nicht ändern können. Ob sich im anderen Fall der Aufwand lohnt, ein festgefahrenes Verhalten auf neue Schienen zu wuchten, sei mal dahin gestellt. Rein intuitiv halte ich unsere Arbeitsweise für angeboren. Über die Jahre kristallisiert sie sich dann heraus und brennt sich als Routine ein.

Unbewusst habe ich mich wider meiner Arbeitsweise verhalten. In mir herrschte der gleiche Irrglauben vieler Menschen, dass »Schreiben« ja keine Arbeit sei. Es mag ein Hobby, wenn es hoch kommt vielleicht noch eine ausgeprägte Leidenschaft sein. Ist natürlich völliger Quatsch; einen Roman entstehen zu lassen ist nicht weniger harte Arbeit, als ein Haus zu bauen! Dieser Vergleich passt sogar recht gut, nur die Hände bleiben sauberer.

Ich bin kein »pingeliger« Arbeiter. Mir widerstrebt es aber, eine Aufgabe mehrfach »anzufassen«. Lieber nehme ich mir etwas mehr Zeit und erledige sie im ersten Durchlauf. Im ersten Eindruck war ich daher immer langsamer, als die Kollegen, doch am Ende trotzdem eher fertig. Dieses weit verbreitete »schnell-schnell« führt nur zu Ungenauigkeiten und Fehlern. Korrigieren und Ausbügeln verschwendet unnötig Zeit und die ist das kostbarste Gut, was uns zur Verfügung gestellt wird.

Obgleich ich nun langsamer schreibe, als erhofft, benötigen meine Texte anschließend eine Korrektur. Das ist nicht unbedingt ein Widerspruch, denn Perfektion strebt der Mensch ja gerne an, ist aber unerreichbar. Zudem die verkehrte Herangehensweise. Meinem Wunsch schneller zu schreiben, würde ich auch mit der 10-Finger-Technik nicht näher kommen, weil er unrealistisch ist. Nein, das ist nicht schlimm. Ganz im Gegenteil, befreit die Erkenntnis von dem ständig nagenden Druck im Hinterkopf.

Meine Geschichten entfalten sich mit Bedacht. Wie ich Eingangs schrieb, erwacht bei mir das Leben der Handlung erst im Moment des Schreibens. Schnell ist da fehl am Platze und, wie ich nun weiß, mir auch nicht möglich.

Wer also beim Schreiben mit seinem Vorankommen hadert, sollte diesen Aspekt einmal bei sich überprüfen. Zu glauben, man könne beim Schreiben anders agieren, handelt gegen sich Selbst, was zu inneren Widerständen führt.

Flüssig ist nicht mit Schnell gleichzusetzen. Finde deinen »Fluss« und verlange keine 180° Wende von dir.

– – –

Wer plaudert mit?

– – –

Artikelbild: © bei Padurariu Alexandru auf unsplash.com [Update 27.05.2016: Quellseiten existieren nicht mehr.]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Anti-Spam Quiz: