Sitzreihe zum Wochen-End-Geplauder

Wochen-End-Geplauder – [1623]

Artikel zu dem Thema hatte ich ja bereits gelesen, doch kaum waren meine Hinweise zu den Abmahnfallen Online, tauchte der erste Bericht eines Opfers auf. Über diese »Fotografen« kann man kübelweise Müll kippen, das wird sie nicht jucken. Für Betroffene ist es wichtig, nicht den Kopf einzuziehen, sondern gegen zu halten. Die meist überzogenen Forderungen werden inzwischen von den Gerichten auf ein erträgliches Maß gestutzt. Der genannte Fall zeigt aber, wie schnell der Horror über einen rein brechen kann.

#1 Sonst So

Dualität ist die Grundlage und bestimmt jegliches Leben auf diesem Planeten. Konflikte sind dabei integraler Bestandteil dieses Umstands. Das größte und gefährlichste Minenfeld bei uns Menschen ist die Wahrheit. Niemand möchte belogen werden, stößt aber im Umgang mit der Wahrheit schnell an seine Grenzen.

Die Verlagsbranche wurde nun durch die Urteile vom EuGH und BGH aus deren Luftschloss auf den Boden der Tatsachen gezerrt. Auf dem Fuße folgte eine bekannt menschliche Reaktion: Heftiges Geschrei, weil einem etwas Liebgewonnenes entrissen wurde. Vor der Wahrheit, dieses wurde fälschlicherweise Ausgeliehen, wird geflissentlich die Ignoranz vorgeschaltet.

Warum die Verlage dem Medium, dessen Wirken sie ihre Existenz zu verdanken haben, so wenig Respekt zollen, erreicht bei mir langsam den Punkt völliger Verständnislosigkeit. Zumal sie noch dafür gelobt werden wollen und Dankbarkeit erwarten, AutorInnen ein paar Brotkrümel hinzustreuen.

Das Internet offenbart die Verbindung, wie sie gehört, möglich ist und womöglich in der Anfangszeit ebenso bestand: Autor -> Leser!

Prinzipiell ist der Buchhandel ein den Autoren wohlgesonnener Multiplikator. Leider wurde dort über die Jahrzehnte die Bedeutung der Selbstständigkeit vergessen. Sie haben sich selbst zu einem Erfüllungsgehilfen degradiert, völlig vom Mut der Eigenständigkeit verlassen.

In aller Konsequenz betrachtet, sind Verlage überflüssig. Geschickt haben sie es aber verstanden, die Abhängig und Untertan zu machen, von denen sie selbst abhängig sind. Diese verkehrte Welt stellt einen Konflikt dar, der unweigerlich eskaliert und Lösungen einfordert.

Dass die Verlage jetzt ein völlig verzerrtes Bild an die Wand malen, ist zwar verständlich, weil menschlich, versucht aber nur von der Wahrheitsfindung abzulenken und die Bereinigung zu blockieren. Mit diesem Verhalten erhöhen sie nur ihr eigenes Schmerzempfinden. Kennt wohl Jeder: Umso mehr man sich wehrt, umso schmerzhafter wird die Behandlung.

Die verquere Sichtweise der Branche wird in diesem Artikel, inklusive enthaltener Verweise, deutlich. Hierzu ein kurzer Hinweis, und es ist fast schon peinlich, dass dieser ausreicht, um das Ausmaß der Verlogenheit zu offenbaren: Besagte Urteile haben die Zwangsverteilung durch die Verwertungsgesellschaften an die Verlage für ungültig erklärt! Freiwillig dürfen AutorInnen abgeben, was sie wollen und beteiligen, wen sie wollen.

Ja, das bedeutet, die Verlage müssen sich endlich als das betätigen, was sie sind: Dienstleister! Damit müssen sie um ihre »Kunden« buhlen und sich bei ihnen »bewerben«. Für die Branche völlig unbekanntes Terrain. Das macht deutlich, wie nötig diese Klarstellung war.

Die Wahrheit ist grausam, sie zu ignorieren hingegen Respektlos.

#2 Netz-Häppchen

Kleine gehen in der Masse unter und werden neben »Großen« übersehen. Von daher ist es immer eine gute Idee, sich zusammen zu schließen. Einige Independent-Verlage haben dies nun getan. Ihr Motto, »Miteinander. Füreinander.«, gibt die Beweggründe und Ausrichtung treffend wieder. Verdient mehr, als nur einen kurzen Blick.
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»Lieber deutscher Einzelhandel, unsere Beziehung ist ehrlich gesagt nicht die Beste.«

Was kann auf solch einer Einleitung nur folgen? Na klar, eine Abrechnung. Basierend auf einer negativen Erfahrung wird zwar pauschalisiert, was mit Sicherheit zu Weit gefasst ist, aber insgeheim nickt man zustimmend. Trotz des ernsten Hintergrunds entfaltet sich bei dem kurzen Artikel ein Schmunzeln.

#3 Seiten-Kleister

Nachdem sich vor Monaten schon DIE ZEIT blamiert hatte, fühlte sich nun die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berufen, ihre Rückständigkeit publik zu machen. In einem Satz zusammen gefasst geht es darum: Buch-Blogger lesen keine anspruchsvolle Literatur, schreiben daher keine seriösen Buchbesprechungen und sind in der Folge nicht Ernst zu nehmen.

Vielleicht stößt sich der Verfasser dieser Polemik daran, dass die Gesamtheit der Buch-Blogs mehr Besucher und Aufmerksamkeit erzielt, als die vermeintlich seriöse FAZ. Wer aber meint, Größe erreicht man dadurch, Andere zu diffamieren, macht sich zum Hampelmann. Herablassend neuen Entwicklungen der Niveaulosigkeit zu bezichtigen, kann nur als verzweifelter Kampf gegen die eigene, drohende Bedeutungslosigkeit gewertet werden.

Auf Who is Kafka und Stehlblüten wird die Arroganz und Engstirnigkeit des FAZ-Artikel Verfassers sehr Lesenswert kommentiert.

Keine Frage, Internet und Selfpublishing produziert auch eine Menge Schrott. Aber wenn dieser Käufer und Gefallen findet, ist er Bestandteil des Marktes, mit all seinen Herausforderungen und Begleiterscheinungen. Diesem mit Ignoranz und Arroganz zu begegnen, schadet auf Dauer nur einem Selber. Das zu Erkennen erfordert allerdings Selbstreflektion und Mut zur Wahrheit. Erfordernisse, mit denen gerade die Verlagsbranche weder glänzen, noch umgehen kann.

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Wer plaudert mit?

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Artikelbild: © bei Padurariu Alexandru auf unsplash.com [Update 27.05.2016: Quellseite existiert nicht mehr.]

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