Sitzreihe zum Wochen-End-Geplauder

Wochen-End-Geplauder – [1624]

Ich wollte mal »In« sein und habe mich an eines dieser vermeintlich witzigen »Ich und mein Leben«-Bücher gewagt. Obwohl das erste Kapitel bereits unerträglich war, habe ich mich in Durchhalte-Parolen geübt. Doch die nächsten Kapitel brachten keine Besserung. Bei 27% habe ich aufgegeben.

Jeder kennt den Spruch »Schlimmer geht immer«. Diese Geschichte war nach dem Muster gestrickt, »Schlimmer geht immer und dann komm ich«. Jedes erdenkliche Fettnäpfchen bzw. Unglück erwischte die Protagonistin, und zwar in gesteigerter Form.

Es war nicht zum Aushalten. Die Vorstellung, dass dieses Buch in jüngeren Kreisen LeserInnen findet, treibt mir Gänsehaut und Angst in die Knochen. Stellt das Buch ein Abbild der Interessen dar? Ist das Buch Marketing- bzw. Zielgruppen-Technisch optimiert, das heißt »Ideal geformt«? Mir graut es!

#1 Sonst So

Das bringt mich zu der Frage, gibt es ein Rezept, um einen Bestseller zu schreiben? In einer WDR-Reportage begab man sich auf die Suche nach dem »Bestseller-Code« (45 Min., abrufbar bis 08.10.2016). Sie gewährt wirklich sehr interessante Einblicke in die Welt der Autoren und Prozesse im Hintergrund.

Zum Ende hin deutet sich zwischen den Zeilen ein Schreckensszenario an. Wie schon beim gleichförmigen Radio, könnte die Buchbranche versucht sein Geschichten nach vorgefertigten Mustern zu publizieren. Sozusagen »Schreiben nach Zahlen«. Eine derart Glatt geschliffene Zukunft wird nur extremere Ausbrüche hervorbringen. Das Individuum »Mensch« wird sich seine Ventile suchen, wenn es von Marketingabteilungen dominiert wird.

DEN bestimmbaren Code gibt es nicht, weil zu viele Faktoren daran beteiligt sind. Nur wenn sie alle zusammen passen, ist ein neuer Bestseller geboren. Dass es aber passiert, kann immer wieder erlebt werden. In diesem Spiel lautet die wichtigste Regel: Aufgeben verboten!

#2 Netz-Häppchen

Lebensmittel wegschmeißen? Ja, werden immer noch zu viele. Einige Initiativen versuchen bereits, dieser unsäglichen Verschwendung Einhalt zu bieten, es herrscht aber noch deutlich Luft nach Oben. Natürlich fallen auch in Restaurants Reste an. Doch wohin damit? Diesem Manko will eine neue App begegnen. Auf Utopia wird sie vorgestellt.
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»Schreiben ist schmerzhaft«

Das sagt der Autor Marcus Johanus im Interview mit Schreibmeer. Ich sehe das nicht so extrem, aber es ist komplett anders, als man es sich vorstellt. Unabhängig davon erfährt man interessante Einblicke, obgleich ich den Unterschied zwischen »Krimi« und »Thriller« anders definieren würde. Egal, Lesen 😉
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Das #litcamp16 hat meine Twitter-Timeline ziemlich verstopft, denn nach dessen Ende wurden die Tweets massenhaft wiedergekäut. Der Bericht im Deutschlandfunk löste auch nur eine verhaltene Reaktion aus. Und ich habe beschlossen, mir meinen vorgesehenen Kommentar gleich ganz zu verkneifen.

#3 Seiten-Kleister

Trotz vieler neu hinzugekommener technischen Möglichkeiten, haben es Lektoren heutzutage schwer. Doch wahrscheinlich sind eben diese Möglichkeiten Schuld an der Misere. Immer schneller produzieren, immer stärker rationalisieren, kann nicht Folgenlos bleiben. In der Produktionskette ist das Lektorat das schwächste Glied. Hier ist der Faktor Mensch unersetzlich, unterliegt deswegen aber dessen natürlichen Unwägbarkeiten.

Der Mensch macht Fehler. Umso mehr Druck auf ihn ausgeübt wird, umso mehr. Aus meiner Kindheit und Jugendzeit erinnere keine gravierende Mängel, wie sie heutzutage in Büchern zu finden sind – in Verlagsbüchern wohlgemerkt. Rainer Moritz ist dies ebenfalls aufgefallen. In der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) hat er sich Luft gemacht.

Dies Thema ist allerdings nur ein weiterer Sargnagel und Zeichen, dass die Verlagsbranche dringend Reformen benötigt. Für Verlage kann nur eine Formel gelten: Ein Buch findet eine Masse an Käufer. Wird weiterhin die gegensätzliche Strategie favorisiert, eine Masse an Büchern findet ein Käufer, können am Ende nur Leichen dabei herauskommen. Leider ist ein Umdenken nicht in Sicht.

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Wer plaudert mit?

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Artikelbild: © bei Padurariu Alexandru auf unsplash.com [Update 27.05.2016: Quellseite existiert nicht mehr]

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